Landesligasaison 2019/20/21 – Abbruch und Protest

Nachträgliche Anmerkungen und Ergänzungen:
Der unten folgende Beitrag vom 12. Februar spiegelt „nur“ meine persönliche, private Meinung wieder. Im Verein hat die Entscheidung des Saisonabbruchs (Details siehe unten) zu einer inhaltlich kontroversen Diskussion geführt (aber nicht nur bei uns, siehe z.B. auch den Bericht beim Lübecker SV), in deren Ergebnis der Verein am 18. Februar beschlossen hat, Protest einzulegen. Die offizielle Position des Vereins (siehe Protestschreiben), den ich in meiner Funktion als 1. Vorsitzender vertrete, beurteilt die Entscheidung der Spielkommission anders als die unten folgende, privat geäußerte Meinung. Durch diesen Gegensatz eventuell auftretende kognitive Dissonanzen kann man mit der Feststellung auflösen, dass es eben das Merkmal einer Diskussion ist, dass es verschiedene Positionen gibt; auch kann man die unten geäußerte Meinung als Anstoß eines Meinungsfindungsprozesses betrachten und die obige offizielle Position als das Ergebnis. Daher und auch, um die Kontroverse transparent abzubilden, wurde der nachfolgende Beitrag nicht verändert oder gekürzt. Nur den Titel habe ich geändert, da er nach aktuellem Stand der Dinge unpassend und irreführend ist – er lautete vorher: „Landesligasaison 2019/20 – Klassenerhalt!?“ (nach aktuellem Stand der Dinge steigen wir nämlich ab, siehe dazu den Kommentarbereich im Anschluss an den Beitrag). Nun aber zu dem Beitrag vom 12. Februar, der zwar inwischen schon veraltet ist, aber dennoch nicht gelöscht werden soll:

Die Spielkommission des Schachverbands hat beschlossen die Saison im Land wegen der Corona-Pandemie zu beenden. Konkret bedeutet das, dass in den Verbandsligen A und B sowie in der Landesliga die 8. und 9. Runde nicht mehr gespielt werden und dass der aktuelle Tabellenstand nach der 7. Runde auch gleichzeitig der abschließende Tabellenstand ist, der über Auf- und Abstieg entscheidet.

Ich persönlich halte die Entscheidung für richtig (wobei man mir Parteilichkeit vorwerfen kann, da wir wahrscheinlich davon profitieren, dazu später mehr). Denn seit einem Jahr ist die Liga ausgesetzt und die Termine für die 8. und 9. Runde wurden bereits zweimal nach hinten verschoben (zunächst in den September / Oktober, dann in den Februar / März) und hätten nun wieder verschoben werden müssen. Wegen der Dynamik der Corona-Pandemie ist aber überhaupt nicht absehbar, ob, wann und unter welchen Umständen wir wieder am Brett (und nicht nur online) spielen können. Eine endlose Hängepartie hätte gedroht, sodass ich dieses Ende mit Schrecken für besser als einen Schrecken ohne Ende halte.

Freilich führt das Aussetzen der letzten beiden Runden zu Verzerrungen in der Tabelle (dazu auch später noch mehr), aber Verzerrungen hätte es auch mit einer weiteren Verschiebung gegeben. Es ist nämlich unklar, inwieweit die Mannschaften (oder gar Vereine im schlimmsten Fall) noch existieren oder spielwillig sind, wenn denn wieder ein Spielbetrieb am Brett möglich ist (ich hoffe ja ab Herbst 2021, fürchte aber, dass das auch noch bis Herbst 2022 dauern kann). Die Spielkommission hatte also nur die Wahl zwischen schlechten Entscheidungen und hat sich aus meiner Sicht richtig entschieden. Wann eine neue Saison begonnen werden kann, steht wegen Corona natürlich auch noch in den Sternen, aber nun kann man sich voll und ganz ohne „Altlasten“ einem Neuanfang widmen, wenn er wieder möglich ist. Darauf, die Saison 2019/20 eventuell im Jahr 2022 zu beenden, hätte ich ehrlich gesagt nämlich auch nicht mehr viel Lust gehabt, da durch den zeitlichen Abstand der „Bezug zur Saison“ bei mir schon jetzt verloren gegangen ist.

In welcher Liga wir dann spielen steht noch nicht ganz fest. Aktuell sind wir auf dem neunten Tabellenplatz. Wenn es in der Oberliga (eine Liga höher) auch bei dem aktuellen Tabellenstand bleibt, wird es nur einen Absteiger aus der Landesliga geben und wir wären gerettet. Die Saison in der Oberliga wurde aber noch nicht für beendet erklärt (die Zuständigkeit liegt hier nämlich nicht bei der Spielkommission SH, die eben „nur“ für die Landes- und Verbandsligen in unserem Bundesland zuständig ist). Sollte doch noch ein Team aus Schleswig-Holstein von der Oberliga in die Landesliga absteigen, dann gäbe es auch aus der Landesliga einen Absteiger mehr und wir würden als Vorletzter auch absteigen. In der Oberliga spielen aus Schleswig-Holstein der SK Norderstedt (0% Abstiegswahrscheinlichkeit laut Ligaorakel), der Lübecker SV (auch 0%), der Preetzer TSV (1,9%) und der SK Doppelbauer Kiel (15,7%), sodass bei einer möglichen Fortsetzung der Saison der Oberliga im Sommer die summierte Abstiegswahrscheinlichkeit für ein schleswig-holsteinisches Team (und damit für uns die Abstiegswahrscheinlichkeit aus der Landesliga) bei 17,6% liegt. Als Fazit kann man also sagen, dass wir im Umkehrschluss mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 82,4% die Klasse gehalten haben. Das „mindestens“ kommt daher, da es natürlich auch noch geschehen kann, dass die Oberliga-Saison für beendet erklärt wird.

Mit diesem Ende wäre diese Saison für uns nicht nur wegen Corona außergewöhnlich  verlaufen: Nach einem Katastrophenstart von 5 Spielen und 5 Niederlagen haben wir dann zwei Spiele etwas überraschend gewonnen und das schon für uns scheinbar reservierte Tabellenschlusslicht an Eckernförde abgeben (siehe Berichte). Und just mit dem Spiel, nach dem wir nicht mehr Tabellenletzter waren, wird die Saison durch höhere Gewalt beendet und dieser Platz reicht dann höchstwahrscheinlich und glücklicherweise auch noch für den Klassenerhalt. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich dem Saisonfinale nicht mit Angst, sondern mit gespannter Erwartung entgegengeblickt hatte: In der 8. Runde hätten wir gegen Tura Harksheide (die jetzt aufsteigen) ohne Druck frei aufspielen können, ehe es in der 9. Runde gegen Elmshorn in einem 50:50-Spiel um alles gegangen wäre (ich mag solche Spiele). Wie auch immer – bester Mannschaftsspieler bei uns wurde mit diesem Saisonende Michael Kordts (Brett 7) mit 5 Punkten aus 7 Spielen (er wurde damit auch achtbester Spieler der Liga). Die Abschlusstabelle und weitere Statistiken findet man beim Ergebnisdienst des SVSH.

Sören Koop

5 Gedanken zu „Landesligasaison 2019/20/21 – Abbruch und Protest

  1. Moin Sören! Schöner Bericht. Ich glaube deine Hoffnung auf Klassenerhalt, ist allerdings leider nicht von hoher Sicht auf Erfolg. Doppelbauer wird durch die Fusion mit Turm Kiel (deren „ehemalige“ Zweite in die Oberliga absteigt) in die Landesliga Zwangsabsteigen, womit zwei Mannschaften aus der Landesliga in die Verbandsliga runter sollten. Drück aber die Daumen, dass dem nicht so sein wird!
    lg
    Dustin

    • Hallo Dustin,
      vielen Dank für den Hinweis und deine guten Wünsche! Du hast wohl leider Recht, diese Auswirkungen der Fusion hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Jetzt gibt es für mich nur noch theoretische Klassenerhaltsszenarien, wenn der Spielbetrieb oder das Ligensystem so durch die Pandemie durcheinander gerüttelt werden (z.B. durch Vereinsauflösungen oder Mannschaftsrückzüge), dass sie neu geordnet werden müssen. Glücklich wäre ich mit einem solchen Szenario aber nicht; ich will eigentlich „nur“ wieder „normal“ in der Landes- oder auch Verbandsliga spielen. Für mich ist aber leider offen, ob und wann wir wieder zu unserer „alten Spielbetriebsnormalität“ zurückkehren können und werden. Die Pandemie selbst wird uns – so fürchte ich – noch mindestens dieses Jahr in Atem halten und die langfristigen Folgen sind für mich noch gar nicht absehbar.
      Ich wünsche euch jedenfalls auch alles Gute in dieser Zeit!

  2. Moin Moin,

    Wir haben die gleich Punktzahl wie Elmshorn aber 1,5 Brettpunkte weniger und nicht mal gegen die Gespielt.

    Von der Entscheidung profiert dann aber Elmshorn doch ein bisschen oder
    Bei welchen Verein spielt Heiko Spann eingentlich ?^^

    LG Wolle

    • Hallo Wolfgang,

      es stimmt, dass ein Abstieg unter diesen Umständen bitter wäre und dass man an der Entscheidung der Spielkommission auch ein gewisses Geschmäckle empfinden kann. Persönlich glaube ich aber nicht, dass dieser Punkt relevant für die Entscheidung zum Saisonabbruch gewesen ist. Am ehesten zu kritisieren ist aus meiner Sicht nicht so sehr das „Was“ als das „Wie“ der Entscheidung (eine offene Diskussion mit allen Vereinen hat vor der Entscheidung ja nicht stattgefunden).

      Liebe Grüße,
      Sören

  3. Hallo, ich empfinde es als Frechheit, was mir unterstellt wird, wenn die Spielkommission eine mehrheitliche Meinung hat und ich diese natürlich egal wie diese inhaltlich aussieht für die Spielkommission vertreten werde/muss.

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