Magnus Carlsen über Schach(welt)meister

In zweiminütigen Videoclips (Übersicht bei chessbase) hat Magnus Carlsen Bobby Fischer, Anatoly Karpov, Garry Kasparov, Judit Polgar, Vladimir Kramnik, Viswanathan Anand, Hou Yifan und sich selbst in den Kategorien Genius (Genie / Genialität), Entertainment (Unterhaltungswert), Influence (Einfluss) und Sanity ((mentale) Gesundheit) auf einer Skala von 1-10 bewertet.  Das Ergebnis ist folgendes:

Erklärungen bedarf wohl die vielleicht ambivalenteste Persönlichkeit der Schachgeschichte: Bobby Fischer. Den Sanity-Wert hat er auf das Jahr 1972, dem Jahr seines Titelgewinns, bezogen, bei einem späteren Zeitpunkt wäre die Wertung wohl noch schlechter ausgefallen. Der Influence-Wert bezieht sich allein auf das Schachspiel. Wenn man die politische Bedeutung des WM-Matches im Kalten Krieg hinzunehmen würde, müsste er schon fast eine 11 bekommen. Interessant an Carlsens Bewertung sind für mich die folgenden Aspekte:

  • Der bedeutendste (und beste) Schachspieler aller Zeiten ist aus seiner Sicht Garry Kasparov.
  • Sich selbst sieht er im Verhältnis nicht als zu extrem bedeutend an.
  • Die beste Frau der Schachgeschichte, Judit Polgar, erzielt bei ihm auch eine sehr hohe Wertung (dass eine Frau in einem Schachranking weit vor ihm landet, hätte der Misogynist Fischer wohl für einen schlechten Witz gehalten, da er folgende sexistische Auffassung hatte: „Alle Frauen sind schwach. Sie sind dumm im Vergleich zu Männern. Frauen sollten kein Schach spielen. Sie verlieren jedes Spiel gegen einen Mann.“; Quelle: http://www.chesssteps.com/bobby-fischer-the-chess-genius/ am 8.5.21).

Natürlich ist Carlsens Wertung subjektiv. Aber als Weltmeister seit 2013 und auch bester Spieler des letzten Jahrzehnts hat seine subjektive Meinung sicher einen hohen Aussagewert. Persönlich denke ich nur, dass Carlsen hier seinen eigenen Einfluss unterschätzt; es war für ihn aber sicher auch eine unangenehme Aufgabe, sich selbst einzuschätzen, da eine hohe Wertung für sich selbst (die meiner Meinung nach gerechtfertigt wäre) als Arroganz ausgelegt werden könnte.

2 Gedanken zu „Magnus Carlsen über Schach(welt)meister

  1. Wer ist denn darauf gekommen mentale Gesundheit zu bewerten? Irgendwie pervers in meinen Augen. Übrigens: Habt ihr schon was zum Protest in der LL gehört?

    Lg
    Dustin

    • Hallo Dustin,

      auf die Idee mit der mentalen Gesundheit muss ja entweder Magnus Carlsen selbst oder die an dem Video beteiligten Personen gekommen sein. Vielleicht ist aber auch meine Übersetzung unglücklich, „mentale Stärke“ klingt vielleicht mehr nach einem Schachkriterium.

      Zum Protest: Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, will ich dazu keine Details bekannt geben. Allerdings – Details gibt es eigentlich auch (noch) nicht zu berichten. Der Ball liegt beim Schiedsgericht bzw. bei der Spielkommission, die ihre Entscheidung ja noch ändern kann. Ich rechne damit, dass eine endgültige Entscheidung wohl erst getroffen wird, wenn der Start einer neuen Saison wirklich absehbar ist (hoffentlich in diesem Herbst). Persönlich halte ich ein Abwarten bis zur neuen Saison für sinnvoll, für noch sinnvoller würde ich es aber halten, wenn man die Zeit zur Kommunikation mit allen Vereinen nutzen würde, um folgende Fragen zu klären: Unter welchen Bedingungen sind die Vereine bereit zu spielen, wann und wie soll die neue Saison starten und wie viele Mannschaften werden die Vereine für die neue Saison überhaupt melden (davon hängt eine sinnvolle Ligengestaltung ja elementar ab)? Denn zumindest für die Bezirksligen befürchte ich einen starken Mannschaftsschwund (im Bezirk West gab es diese Tendenz schon vorher). Auf Landesebene habe ich die Hoffnung, dass dies nicht der Fall sein wird – sicher sein kann man sich aber meines Erachtens nicht.

      Liebe Grüße, Sören

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