Verbandsliga A, Runde 2 – Karnevalspartien in Husum

Am 11.11. hatten wir ein Auswärtsspiel in Husum. Trotz der weiten Anfahrt waren wir guter Dinge, da wir uns mit unserer Aufstellung Chancen ausgerechnet hatten.

Der Mannschaftskampf begann auch recht ruhig durch ein Remis von Jürgen an Brett 4. Er war gesundheitlich angeschlagen und nahm das Remis an, da es (noch) wenig Grund zu Sorgen gab: Jens, Michael und ich waren an den Brettern 1-3 gut aus der Eröffnung gekommen. Schlechter stand keiner, eher standen alle unklar bis leicht angenehmer. Wolfgang an Brett 5 stand sogar gut bis besser. Bei Börge und Horst an Brett 6 und 7 war noch alles ausgeglichen, nur Werner schien an Brett 8 schon unter Druck zu stehen. Dann aber stimmten die Figuren an fast allen Brettern um 11:11:11 Uhr (geschätzt) in ein kräftiges „Helau – Alaaf“ ein und die Partien verliefen größtenteils chaotisch bis irrational. Michael fand als Weißer kein Mittel gegen die solide schwarze Stellung und akzeptierte ein relativ unspektakuläres Remis. Dann verlor Werner, nachdem sein Gegner seine druckvolle Stellung in ein gewonnenes Endspiel ummünzte. Ich öffnete daraufhin an meinem Brett die Taktikbüchse der Pandora und wähnte mich fälschlicherweise schon auf der Siegerstraße. Das Übersehen einiger gegnerischer Ressourcen hinterließ mir aber einen Trümmerhaufen am Königsflügel und damit war ich noch gut bedient (siehe Aufgabe).

Wie kommt Weiß in Vorteil?

Irgendwie konnte ich dann den Laden zusammenhalten und war froh, als mein Gegner seine Chancen nicht nutzte, die Stellung durch Abtausch verflachte und mir ein Remis angeboten wurde (ich nahm an). Wenn nicht ich, so sollte doch zumindest Jens gewinnen, dachte ich, da er zwischenzeitlich einen Bauern und Qualität mehr hatte. Zwei Unachtsamkeiten sorgten aber dafür, dass sein König heftig unter Beschuss geriet und seine ganze Stellung höchst anrüchig war. Da sein Gegner aber nur noch 2 Minuten (+Zeitaufschlag) für 12 Züge auf der Uhr hatte, bot Jens Remis, was der Gegner dann zu Jens‘ Erleichterung auch annahm. Es stand nun 2:3 und es sah düster aus, da Börge zwischenzeitlich eine Dame gegen Turm ohne Kompensation weniger hatte und bei Horst nicht mehr als ein Remis in Sicht war. Wolfgang sollte zwar gewinnen, nachdem er eine Figur gewonnen hatte; das wäre aber nur Ergebniskosmetik gewesen. Dann der Paukenschlag: Börge hatte nicht etwa verloren, sondern gewonnen. Sein Gegner hatte in gewonnener Stellung eine Figur eingestellt (siehe Aufgabe unten) und dann schockiert seine Dame gegen Läufer und Turm zurückgegeben. Börge war nun in einem ausgeglichenen Endspiel mit Springer gegen Läufer gelandet. Sein Gegner wollte wohl gewinnen (Remis wurde abgelehnt), spielte hier etwas ungenau und verlor einen Bauern. Das nun entstandene Endspiel König, Springer und Bauer gegen König und Läufer war immer noch Remis. Sein Gegner verrechnete sich aber noch ein letztes Mal und tauschte die Leichtfiguren, erreichte dann aber die Opposition nicht und verlor – sehr bitter aus Husumer Sicht.

Schwarz am Zug

Es stand nun 3:3 und Horst hatte inzwischen eine Qualität weniger und wurde immer weiter zurückgedrängt, das 4:3 für Husum folgte bald. Der Sieg für Husum war nun zum Greifen nah, denn Wolfgang hatte nach über einjähriger Schachpause seine Mehrfigur wieder eingestellt (siehe Aufgabe).

Schwarz am Zug

Er quälte anschließend sich und seinen Gegner im Turmendspiel und gewann einen Bauern. Mit a- und b-Bauer gegen c-Bauer versuchte er nun zu gewinnen. Objektiv gesehen war diese Stellung aber nicht zu gewinnen, sein Gegner verkalkulierte sich jedoch noch auf den letzten Metern, opferte den c-Bauern und verlor.

Damit hatten wir das glückliche 4:4 gerade noch erreicht. Mit dem daraus resultierenden 3. Tabellenplatz können wir gut leben. Im nächsten Spiel gegen Eckernförde II sollte dann die Fehlerzahl wieder runtergeschraubt werden (allein um die Nerven zu schonen). Die weiteren Ergebnisse und Tabellen gibt es beim Ergebnisdienst des Schachverbands.

Sören Koop

Lösungen:

1. Stellung: Ich hatte gerade 1. …Se5 gespielt. Weiß kann dies aber mit 2. Lc4 ignorieren – Sxc4 3. Df7+ Kh8 4. Sxc7. Zugegeben, diese Variante hat mir der Computer gezeigt. Mein Gegner spielte 2. Le2, der weitere Fortgang war c6? 3. Sf6+ gxf6 4. Dxh6 Tf8 und 7 Züge später entkam ich ins Remis.

2. Stellung: Weiß hatte gerade 1. b3? gespielt und Börge gewann nun die Figur durch     1. … Txe5. Nun scheitert 2. Dxe5 an Sg4+ Die Partie wurde mit 2. a4 Td5 3. Dxd5 Sxd5 4. axb5 axb5 fortgesetzt. Börge gewann dieses Endspiel am Ende sogar.

3. Stellung: Wolfgang hatte gerade 1. Tdd7 gespielt und die Ressource 1. … Txg1 2. Txg1 Kxd7 übersehen. Der Gegner aber spielte 1. … Tgg4, gewann die zwar die Figur, verlor aber im weiteren Verlauf irgendwie noch die Partie.

2 Gedanken zu „Verbandsliga A, Runde 2 – Karnevalspartien in Husum

  1. Nach Td7 hätte Wolfgangs Gegner mit Txg1+ zu einem Turmendspiel mit einem Minusbauer geführt, weil nach dem Zurückschlagen auf g1 der Turm auf d7 hängt.
    Wir müssen uns bei Fortuna für den Punkt bedanken.

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