Landesliga, Runde 6 – ein Lebenszeichen

Nach fünf Niederlagen in den ersten fünf Runden gingen wir heute wahrscheinlich nicht als Favorit ins Auswärtsspiel bei Agon Neumünster. Auf Grund unserer guten Aufstellung und vielleicht auch auf Grund einer „jetzt ist es eh egal“-Einstellung (zumindest bei mir) gingen wir entspannt und guter Dinge dieses Spiel an.

Weitere Nahrung erhielt dieser Optimismus dadurch, dass Jens an Brett 1 kampflos gewann, da sein Gegner sehr kurzfristig krankheitsbedingt hatte absagen müssen. Als ich mich dann das erste Mal umsah, hatte ich wirklich das Gefühl, dass heute etwas gehen könnte, da wir nach meinem Empfinden an keinem Brett unangenehm standen, sondern im Gegenteil auch schon einige Druckstellung hatten. Die erste Druckstellung verflachte sich bei Stefan (Brett 3) dann aber zu einem Unentschieden. Er hatte in der Eröffnung einen Bauern für Initiative geopfert, erhielt diesen später zurück, konnte aber die gegnerische Verteidigung nicht durchbrechen. Volker (Brett 8) folgte mit einem weiteren Remis. Sein Gegner hatte das Zentrum besetzt, aber eine zerstörte Bauernstruktur. Diese wurde durch Abtausch begradigt, dafür schwand sein Zentrumseinfluss. Im entstandenen Turmendspiel hatten beide Seiten ihre Chancen, das Remis war leistungsgerecht. Leider verlor dann Stephan (Brett 5). Er hatte einen Bauern geopfert und dafür ebenfalls langfristigen, positionellen Druck erhalten. Er legte die Bauernstruktur aber fest, anstatt sie aufzubrechen (er spielte e5 gegen eine weißfeldrige Hemmungsstruktur statt d5), sodass der Gegner zunächst das Feld d5 für seinen Springer und anschließend ein Übergewicht und die Partie gewinnen konnte – 2:2.

Entscheidend für den Ausgang des Mannschaftskampfes war dann, dass es Michael (Brett 6) gelang, seinen König in einem mir auf den ersten Blick ausgeglichen erscheinendem Turmendspiel zu aktivieren. Dieser durchbrach die gegnerische Verteidigung und die Partie war entschieden. Wolfgang (Brett 4) hatte ebenfalls ein gewonnenes Endspiel erreicht und kämpfte hier mehr mit seiner Angst vor gegnerischen Drohungen als mit den Drohungen selbst. Er vergab zwar den Sieg, sicherte aber mannschaftsdienlich immerhin das Unentschieden (siehe Diagramm unten), denn die nun entstandene 3,5 : 2,5 – Führung war quasi die Vorentscheidung. Ich (Brett 2) hatte nämlich seit geraumer Zeit eine Qualität mehr, die mein Gegner im Kampf um die Initiative geopfert hatte (ansonsten hätte er einen Bauern weniger gehabt und hätte passiv meinen Angriff abwarten müssen). Es kostete mich im Endspiel mehr Mühe als erwartet, diese zu verwerten, da mein Gegner im Endspiel seinen König aktiv ins Zentrum stellte und mir mit einem Springer unerfreuliche Denkaufgaben stellte. Letztendlich konnte ich aber alle Fallstricke antizipieren und unter günstigen Umständen die Qualität zurückgeben, das entstandene gleichfarbige Läuferendspiel mit zwei Mehrbauern auf meiner Seite war nun trivial gewonnen. Damit stand unser Mannschaftssieg schon fest. Jürgen spielte aber noch und versuchte seine Stellung zusammen zu halten. Aus der Eröffnung heraus hatte seine Stellung noch gut ausgesehen und er schien mir auf Grund positioneller Druckmöglichkeiten und ohne echte Schwächen besser zu stehen. Irgendwo ging dann aber ein Bauer verloren. Dies konnte Jürgen trotz aller Bemühungen schließlich nicht mehr kompensieren, sodass die letzte Partie des Tages leider noch verloren ging. Schade, aber es muss dazu gesagt werden, dass Jürgen durch Schmerzen auf Grund seines Achillessehnenanrisses gehandicapt war und dass sein Einsatz deshalb umso bemerkenswerter ist.

Ob dieser 4,5 : 3,5 – Sieg schon zu spät für eine eventuelle „Jagd“ auf den Klassenerhalt war, wird sich zeigen müssen. Von der statistischen Wahrscheinlichkeit her betrachtet ist ein Klassenerhalt unsererseits eher eine Außenseiterwette: Vor diesem Spieltag lag unsere Abstiegswahrscheinlichkeit laut Ligaorakel nämlich bei 91,8% (die Statistik ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht aktualisiert; ich schätze aber, dass wir immer noch eine Abstiegswahrscheinlichkeit von irgendwas mit 80% haben sollten). Nichtsdestotrotz war dies ein unglaublich wichtiger Sieg für die Moral, da wir nun endlich das Stigma der 0 Punkte abschütteln konnten. Mal sehen, ob uns das Aufwind für die nächsten Runden gibt. Den werden wir brauchen, da wir für den Klassenerhalt wohl noch mindestens 3 Punkte holen müssen. Vielleicht gelingt uns ja etwas in der nächsten Runde am 1. März gegen Bad Schwartau. Die Tabelle und die weiteren Ergebnisse gibt es wie immer beim Ergebnisdienst des Schachverbands.

Sören Koop

Aufgabe:
Schwarz hatte schon eine gute Gelegenheit zum einfacheren Gewinn ausgelassen, als er seinen König noch ohne Not passiv an den Königsflügel beordert hatte. Welcher Zug führt laut Computer in dieser schwierigeren Stellung zum Gewinn (ich bin zugegeben zu faul und zu schlecht, um das jetzt selber durchzurechnen)?

Lösung:
1. … Sbc5! Mit der Computervariante 2. Sb6 (Sf6+ Kh8) a3 3. Lf6 Kh7 4. Ke3 Kxh6 usw. (das Spiel geht mit einigen Zügen weiter, die ich nicht alle verstehe; auf Grund der Variantenbäume wird die „Analyse“ hier abgebrochen, Interessierte können die Stellung gerne selbst am Computer überprüfen).
Stattdessen spielte Wolfgang 1. … Sac5. Es folgte 2. Sf6+ und hier vergab Wolfgang endgültig mit 2. … Kh8 den Sieg (2. … Kf7 hätte laut Computer noch einigen Vorteil festgehalten). Das Remis wurde dann schnell forciert 3. Sd5 Sd4+ 4. Kg4 Se4 (Sc6 wäre laut Computer wieder leicht vorteilhaft) 5. Sxb4 Sxg5 Remis.

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