Hiermit geben wir bekannt, dass sich der SC Wrist-Kellinghusen von 1979 auf Grund eines einstimmigen Beschlusses einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. Februar 2026 auflöst. Allen Unterstützern und Freunden des Vereins möchten wir abschließend danken. Näheres zu den Umständen und Hintergründen kann man im nachfolgenden Text erfahren.
Sören Koop (1. Vorsitzender)
Freitag, der 13. Februar 2026, letzter Eintrag im Logbuch: Das in die Jahre gekommene und von den Stürmen der Gezeiten geprüfte Schiff liegt bei Flaute gestrandet auf einer Sandbank. Die wenigen verbliebenen Mitglieder der Besatzung können bzw. wollen nicht mehr die Kraft aufbringen, es aus dieser Lage zu befreien und verlassen das Schiff, um entweder auf anderen Schiffen anzuheuern oder sich zur Ruhe zu setzen. Ein trauriges Ende für das einst stolze Schiff, das bald nur noch eine Erinnerung sein wird.
So oder so ähnlich wäre wohl die literarische Beschreibung vom Ende unseres Vereins. Auf unseren Fall bezogen könnte man die „Stürme der Gezeiten“ folgendermaßen übersetzen.
- Digitaler Wandel: Schach kann man sehr gut online spielen. Ganz allgemein spielt sich ein zunehmend größer werdender Teil des Lebens im Internet ab. Analoges Vereinsleben mag da auf den ersten Blick wie ein Anachronismus erscheinen. Persönlich denke ich aber, dass man diesen „Sturm“ gut durchstehen kann, wenn man als Verein attraktive Angebote macht und diese aktiv bewirbt.
- Verdichtung: Durch den digitalen Wandel ist man leicht überall und jederzeit erreichbar; berufliche und private Verpflichtungen werden verdichtet oder zumindest verdichtet wahrnehmbar, was mindestens auf subjektiver Ebene das Stresslevel deutlich erhöht (ob das Leben objektiv stressiger als vor einigen Jahrzehnten ist, ist eine andere Frage). Durch den Stress bzw. gefühlten Stress muss man Abstriche machen und das trifft in erster Linie im Vergleich zu Familie und Beruf nebensächliche Aktivitäten wie eben das Ehrenamt in einem Verein.
- Gesellschaftlicher Wandel: Ebenfalls im Zuge des digitalen Wandels scheinen langfristige Verbindlichkeit und Verlässlichkeit zunehmend zurückzugehen, da man alles jederzeit online kaufen und auch stornieren kann. Beide Werte sind für ein funktionierendes Vereinsleben aber wichtig.
- Konkurrenz: Die primäre Konkurrenz eines Schachvereins sind inzwischen nicht mehr andere Vereine, sondern vielfache, vor allem digitale Ablenkungsmöglichkeiten. Ging man früher vielleicht sogar aus „Langeweile“ (weil es zu Hause keine „spannende“ Ablenkung gab) zum Vereinsabend, so hat sich dies vielfach umgedreht: Nun wirkt der Vereinsabend im Vergleich zu den Möglichkeiten zu Hause oft wohl eher langweilig. Das Heilmittel wäre aus meiner Sicht wieder ein aktiv beworbenes, attraktives Angebot durch den Verein.
„Flaute und Sandbank“ zeigten sich bei uns durch folgende Symptome:
- Der Vereinsabend fand nur noch unregelmäßig mit magerer Beteiligung statt. Generell hatten wir in den 47 Jahren unseres Bestehens auch immer wieder Probleme, ein Spiellokal zu finden, mit dem alle zufrieden waren.
- Vereinsturniere kamen nicht mehr zustande.
- Im Punktspielbetrieb gab es nur noch eine Mannschaft, die nicht immer vollzählig war und aus dem Spielbetrieb zurückgezogen wurde. Das Spielen in der Mannschaft war eher zur Pflicht, denn zur Freude verkommen.
- In Summe gelang es uns also nicht, ein attraktives Angebot zu machen. Infolgedessen sank auch die Mitgliederzahl.
Aus den beiden oberen Abschnitten kann man klar erkennen, dass ein Verein attraktive Angebote machen und aktiv bewerben muss, um langfristig zu bestehen. Dass dies klappt, kann man anhand einiger sehr erfolgreicher Schachvereine im Land sehen. Warum haben wir als Verein (bzw. ich als 1. Vorsitzender) dieses Rezept dann nicht umgesetzt? Hier kommen wir aus meiner Sicht zur Wurzel des Problems: Das ehrenamtliche Engagement bzw. vielmehr das Fehlen desselben. Ein Verein braucht eine oder bessere mehrere „erfolgreiche“ Ehrenämtler. Um ein Ehrenamt erfolgreich auszuführen, muss eine Person aus meiner Sicht folgende Ressourcen bzw. Fähigkeiten mitbringen (beispielhaft am Schlüsselbereich Jugendarbeit erklärt):
- Fachliches Können: Man muss vor allem gut auf Kinder eingehen und mit diesen umgehen können. Das schachliche Können ist demgegenüber sekundär (aber natürlich auch nicht gänzlich unwichtig). Auch ein gewisses Organisationstalent ist wichtig.
- Zeit: Man muss verlässlich jede Woche zu einem oder besser mehreren festen Terminen zur Betreuung und zum Training verfügbar sein.
- Energie: Neben der eigenen Familie und dem Beruf muss man auch noch genügend Energie für das Engagement übrig haben.
- Wille: Sollte man Zeit, Energie und Können haben, so muss man letztlich dieses persönlich auch für die Vereinsarbeit einsetzen wollen. Falls jemand dies nicht will, heißt das nicht, dass er / sie Jugendarbeit ablehnt. Die Person setzt im eigenen Leben nur andere Prioritäten, was man niemanden vorwerfen kann, da es genügend Dinge gibt, die wichtiger als Schach sind.
Insgesamt war mein persönlicher Eindruck, dass es bei uns im Verein niemanden (mich inklusive) gab, der Können, Zeit, Energie und Willen in einem Maße vereint hat, das eine Trendwende herbeigeführt und uns wieder frischen Wind gebracht hätte. Unter diesen Umständen ist auch jede Hilfe von außen (z.B. durch Sportverbände) letztlich zum Scheitern verurteilt. Es gab z.B. Unterstützungsangebote vom Schachverband, für die ich dankbar bin, die aber natürlich nichts an unseren grundlegenden Problemen ändern konnten. Geholfen hätte hier wohl nur, wenn der Schachverband uns einen engagierten Vereinsmanager gestellt hätte. Das kann man aber von einem ebenfalls ehrenamtlich geführten Verband nicht erwarten. Generell halte ich es in diesem Zusammenhang für verfehlt, Sportverbände für das Vereinssterben verantwortlich zu machen. Auch wenn es Hilfe zur Selbsthilfe gibt, helfen muss man sich letztlich selbst.
Auf Grund der oben beschriebenen Flaute habe ich dann die Frage der Auflösung gestellt, die passenderweise am Freitag, den 13. (Februar), positiv beantwortet wurde. Der Schritt stimmt mich zwar traurig, fühlt sich aber richtig an. Trost kann man vielleicht auch in der Binsenweisheit finden, dass in jedem Ende auch ein Anfang von etwas Neuem liegt. Diese neue Geschichte wird dann aber anderswo geschrieben werden müssen (mit dem Verein wird auch diese Homepage „liquidiert“; wann die „Liquidation“ des Vereins vollständig vollzogen sein wird, lässt sich jetzt noch nicht genau sagen). Hier bleibt mir abschließend nur noch, mich noch einmal bei allen Unterstützern und Freunden des Vereins sowie allen Lesern dieser Seite zu bedanken und für die Zukunft alles Gute zu wünschen!
Sören Koop